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Frettchen

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Die Domestikation des Frettchens aus spanischen und ägyptischen Iltispopulationen vor ca. 2500 Jahren wird aus diversen geschichtlichen Aufzeichnungen belegt. Vermutlich stammt das Frettchen vom Europäischen Iltis (Mustela putorius) ab, die Übersetzung des lateinischen Namens bedeutet „mäusefangender stinkender Dieb“. In Deutschland wird das Frettchen als Heimtier erst seit etwa 40 Jahren gehalten. Frettchen sind für Anfänger in der Heimtierhaltung völlig ungeeignet, da sie umfangreiche Sachkenntnis, viel Zeit, Zuwendung und Auslauf benötigen.

Haltung und Verhalten
Die ursprüngliche Frettchenhaltung mit Verwendung zu Jagdzwecken gibt es in Deutschland nur noch selten und ist nur mit Jagdschein erlaubt (Bundesjagdgesetz). Für eine artgerechte Haltung ist eine mindestens paarweise Haltung oder eine Gruppenhaltung mit kastrierten Tieren zwingend erforderlich. Besonders Fähen, die nicht zur Zucht verwendet werden, sollten grundsätzlich zur Vermeidung einer evtl. tödlich endenden Dauerranz kastriert werden. Eine Dauerranz (andauernde Läufigkeit) entsteht, weil der Deckakt der Auslöser für den Eisprung darstellt (induzierte Ovulation). Wenn kein Deckakt stattfindet, bleibt der Eisprung aus und das Tier entwickelt eine andauernde Deckbereitschaft mit einem hohen Östrogenspiegel, der in der Folge die Blutbildung im Knochenmark so hemmt, dass das Frettchen eine tödliche Anämie entwickeln kann.

Bei der Haltung ist zu beachten, dass die Tiere durch kleinste Ritzen und Löcher entkommen können, das bedeutet, Fenster und Türen von Wohnung und Käfig müssen gesichert sein.

Den Frettchen muss mindestens 2–3 × täglich 2 Stunden Freilauf in der Wohnung gewährt werden, da sie intensiv am Leben ihres Besitzers teilhaben möchten. Zusätzlich sollten Frettchen eine kleine Wasserwanne zur Verfügung haben, da sie gerne baden und planschen. Die Wohlfühltemperatur des Frettchens beträgt 15–25° C bei 45–55 % Luftfeuchtigkeit, ab ca. 30° C besteht Hitzschlaggefahr.

Frettchen sind überwiegend dämmerungsaktiv, sie passen sich in ihrer Aktivität jedoch ihren Besitzern an, sind sehr neugierig und agil und brauchen viel Abwechslung im Spielverhalten. Sie spielen und toben gerne mit Kindern, was jedoch immer unter der Aufsicht von Erwachsenen und unter laufender Kontrolle der Spielsachen geschehen sollte, denn gummiartiges Spielzeug kann als Fremdkörper aufgenommen werden!

Frettchen können auch gut mit Hunden und Katzen vergesellschaftet werden, diese können Artgenossen jedoch nicht ersetzen. Normalerweise sind Frettchen nicht bissig und lernen schnell, ihren Pfleger nicht übermütig zu zwicken. Hungrige Jungtiere können jedoch ungeduldig sein und bei Manipulationen (z. B. beim Tierarzt) beißen.

Physiologische Daten des Frettchens im Überblick:
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Käfighaltung
Käfige werden am besten aus Vierkanthölzern und punktgeschweißtem Draht selbstgebaut. Die Grundfläche muss mindestens 1 × 1 m (1,5 × 1 m) bei einer Höhe von 1,5–2 m (1–1,5 m) sein.

Auf 2 oder 3 Etagen sollten mehrere Hängematten und Schlafhäuschen mit Tüchern zum Kuscheln angebracht werden. Ferner müssen Futternäpfe, Tränken und eine Katzentoilette vorhanden sein. Die Katzentoilette sollte mehrmals täglich gereinigt, der Käfigboden 1 × täglich gewischt werden. Da die Tiere Futter mit zu ihren Schlafstellen nehmen, sollten diese 1 × wöchentlich kontrolliert und gereinigt werden.

Freigehege
Eine Freigehege- oder Balkonhaltung für Frettchen ist nur artgerecht, wenn die Tiere zusätzlich Freilauf in der Wohnung haben. Ein Gehege sollte eine Grundfläche von mindestens 6 m² haben, ein Buddeln bis zu 1 m Tiefe ermöglichen und ausbruchsicher gestaltet sein.

Fütterung
Als Raubtiere müssen Frettchen zu 80 % tierisch und zu maximal 20 % pflanzlich ernährt werden (s. Übersicht unten). Bei Rohfischfütterung sollte man Seefisch nehmen, da das Enzym Thiaminase im rohen Süßwasserfisch das wichtige Vit. B zerstört. Fleisch sollte gewürfelt angeboten und nicht zu klein verfüttert werden, um die Zähne vor Zahnstein zu schützen. Als pflanzliche Futterkomponenten können Obst und Gemüse gegeben werden und selbstverständlich sollte rund um die Uhr frisches Trinkwasser bereitstehen.

Dosenfutter sollte nur in Maßen angeboten werden, wobei auf einen hohen Protein- und Fettgehalt zur Energieversorgung geachtet werden sollte. Alleinige oder überwiegende Fütterung von Dosenfutter fördert wegen des nur geringen Abrasionsvermögens von Weichfutter verstärkte Zahnsteinbildung. Trockenfutter sollte für die Tiere immer erreichbar sein. Bei käuflichen Katzen- und Frettchenleckerlis ist wegen der Zahngesundheit auf Zuckerfreiheit bzw. möglichst niedrigen Zuckergehalt zu achten. Da Frettchen einen sehr kurzen Darm mit einer 3-stündigen Magen-Darm-Passage haben, muss das Futter für die Tiere oft und immer frisch gereicht werden, und darf nie länger als 24 Stunden stehenbleiben. Der Magendarmtrakt reagiert schon auf leicht verdorbenes Futter und auf Milchprodukte (Durchfall) sehr empfindlich.

Frettchenhaltung im Überblick:
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Copyright & Photos 2014: Dr. Bernhard Lazarz
Erschienen in team.konkret 1/2014 Seite 12 – 13; Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co.KG.

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