Lazarz

Capybara

 

UNSER PATENTIER IM ZOO DUISBURG 2010

„DJANGO“

ein CAPYBARA oder WASSERSCHWEIN (Hydrochoerus hydrochaeris)

 

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Für das Jahr 2010 hat sich die Kleintierpraxis Wanheimerort für den größten Nager der Welt, das Capybara oder Wasserschwein als Patentier entschieden.

Auch dieser Riese ist ein Verwandter unseres Meerschweinchens. Das Capybara kommt in feuchten Gegenden Südamerikas vor und lebt teilweise im Wasser (semiaquatisch).

 

SYSTEMATIK

UNTERORDNUNG: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
TEILORDNUNG: Meerschweinchenverwandte (Caviomorha)
FAMILIE: Meerschweinchen (Caviidae)
UNTERFAMILIE: Riesennager (Hydrochorinae)
GATTUNG: Wasserschwein (Hydrochoerus)
ART: Capybara (Hydrochoerus hydrochaeris)

Die Kopfrumpflänge beträgt zwischen 100 – 130 cm bei einer Schulterhöhe von 50 bis 60 cm, wobei Weibchen größer und schwerer werden als Männchen.

Die Tiere können erwachsen zwischen 27 und 80 kg wiegen. Männchen wiegen durchschnittlich 50 kg und Weibchen 61 kg.

Der Körper der Capybaras wirkt plump und massiv. Ihr stämmiger Rumpf ruht auf kurzen Gliedmaßen, an deren Enden sich vorne vier und hinten drei radiär angeordnete, hufähnlich verdickte Zehen befinden. Zwischen den Zehen hat das Capybara Schwimmhäute.

 

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Hier sind die Schwimmhäute gut zu sehen

 

Der Schwanz ist rückgebildet.
Ein 30 bis 120 mm langes raues Fell, das an manchen Stellen so dünn ist, dass es die Haut durchscheinen lässt, variiert von rotbraun bis grau an der Oberseite. Die Unterseite des Tieres ist gelb-braun gefärbt. Einige Tiere haben schwarze Flecken im Gesicht, an den Gliedmaßenaußenseiten und am Rumpf.

Der Kopf der Capybaras ist auffällig breit und massig. Im Vergleich zu den nahen Verwandten ist die Schnauze vergrößert und nach oben abgerundet. Die kleinen Nasenlöcher stehen weit auseinander. Männchen haben an der Schnauzenspitze keine Haare und eine auffällige Duftdrüse. Wie bei vielen teilweise im Wasser lebenden Arten sind auch bei den Capybaras Augen, Ohren und Nasenlöcher hoch oben am Kopf. Dadurch ragen die Tiere beim Atmen und Ausschauhalten kaum aus dem Wasser.

Die Zahnformel lautet 1-0-1-3 in jeder Kieferhälfte, sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer, das heißt, 1 Schneidezahn – 0 Eckzahn – 1 Prämolar – 3 Molaren = 4 x 5 = 20 Zähne. Alle Zähne sind wie beim Meerschweinchen wurzellos und ständig wachsend.

Die Schneidezähne besitzen eine auffällige Längsfurche. Die Backenzähne bestehen aus herz- oder streifenförmigen Schmelzprismen, die durch Zahnzementschichten voneinander getrennt sind.

Capybaras ernähren sich von Gräsern am Festland, zusätzlich fressen sie im Wasser auch Wasserpflanzen. Wenn Sie in Pflanzungen einfallen, fressen sie auch Zuckerrohr, Mais und Wassermelonen.

Der Magen ist länglich und der Blinddarm sackartig vergrößert. Wie auch Meerschweinchen und Kaninchen betreiben sie Koprophagie, das heißt, sie fressen Ihren Blinddarmkot, eine weiche, klebrige Masse. Der Blinddarmkot ist reich an Vit. B und Fermenten. So kann schwer verdauliche, zellulosereiche Nahrung mit Hilfe spezieller Bakterien im Blinddarm gut fermentiert werden und durch neuerliches Fressen optimal verdaut werden. Cabybaras können ähnlich dem Meerschweinchen, den Menschenaffen und dem Menschen kein Vit. C selbst synthetisieren. Sie müssen es über die Nahrung aufnehmen.

Im östlichen Panama, im nördlichen Kolumbien und im nordwestlichen Venezuela lebt die kleinere Unterart Hydrochoerus hydrochaeris isthmius.
Östlich der Anden: vom östlichen Venezuela und den Guyana-Staaten bis nach Uruguay und ins nordöstliche Argentinien erstreckt sich das Verbreitungsgebiet der größeren Unterart Hyrochoerus hydrochaeris hydrochaeris.

In ihrem Lebensraum sind Capybaras auf Tümpel, Seen, Flüsse, Sumpfgebiete und Mangrovenwälder angewiesen. Stehendes Wasser brauchen sie als Rückzugsgebiet, zur Thermoregulation, zum Fressen und zur Paarung. Zum Schlafen benötigen sie festen Untergrund mit dichter Vegetation als Sichtschutz. Am liebsten nehmen sie in grasbewachsener Savanne Nahrung auf. Die höchste Populationsdichte gibt es in ausgedehnten Feuchtgebieten Südamerikas wie dem Pantanal oder der vom Orinoco durchflossenen Llanos-Region. Man findet sie zumeist im Flachland, aber sie kommen auch in Gebieten bis 1300 m Höhe vor.
Gegenüber Veränderungen des Lebensraumes durch den Menschen sind sie recht unempfindlich. So können sie auch auf Viehweiden und Plantagen überleben.

Capybaras sind überwiegend dämmerungsaktiv. Die Hitze des Tages verbringen sie in Schlammlöchern oder seichtem Wasser. Zur Nachtruhe ziehen sie sich auf festen Boden ins Dickicht zurück. Es werden keine Baue gegraben. Dort, wo sie vom Menschen gestört werden, gehen sie zu nachtaktiver Lebensweise über.

Wenn Gefahr droht, können sie schnell laufen. Sie fliehen, wenn möglich in ein Gewässer. Sie können hervorragend schwimmen. Im Wasser tauchen sie fast völlig unter, nur Augen und Nasenspitze schauen heraus. Auch verbergen sie sich in dichter Wasservegetation. Weite Strecken können sie tauchend zurücklegen. Tiefes Wasser ist nur Fluchtraum, die meiste Zeit verbringen sie in seichtem Wasser oder an Land.

Capybaras leben in Herden, die aus mehreren erwachsenen Tieren oder einem Paar mit Nachwuchs bestehen können. So eine Gruppe besteht aus 6 – 20 Tieren. Es gibt auch Einzelgänger, fast immer erwachsene Männchen.

Die Herdengröße nimmt in der Regenzeit ab, weil die Tiere sich über ein größeres Gebiet ausbreiten. Jetzt fressen sie viel, legen Fettreserven an und ziehen ihre Jungtiere groß. In der Trockenzeit ist die Herde größer, da die Tiere sich an Flüssen und Seen sammeln. Die Sterblichkeit ist in dieser Zeit wegen zunehmendem Nahrungsmangel und Krankheiten deutlich höher als in der Regenzeit. Wegen abnehmender schützender Vegetation werden sie auch öfter Opfer von Räubern. Im März, dem trockensten Monat sind durchschnittlich 16 Tiere in einer Gruppe, während in der Regenzeit durchschnittlich 6 Tiere zu einer Gruppe gehören, so eine Untersuchung in Venezuela.

In Dürreperioden wurden schon 100 Tiere, die sich um verbliebenes Wasser versammeln, in einer Herde gezählt. Solche Gruppen sind nur sehr kurze Zeit zusammen.

Eine Familiengruppe oder Herde wird von einem dominanten Männchen angeführt, das diese Position oft jahrelang ausübt. Ein oder mehrere Weibchen mit ihren Jungtieren sowie untergeordnete Männchen können Teil einer Herde sein.

Die Rangordnung ist meist stabil und bei beiden Geschlechtern hierarchisch gegliedert und ergibt sich aus aggressiven Rangordnungskämpfen.

Das Territorium einer Gruppe beträgt 80 – 200 Hektar, wobei sie sich meistens in einem Kernrevier von 5 – 17 Hektar aufhalten. Dieses Gebiet wird gegenüber eindringenden Artgenossen verteidigt. Das Territorium wird durch Duftdrüsen markiert. Diese liegen beim Männchen auf dem Nasenrücken und bei beiden Geschlechtern in der Analregion (Analdrüsen).

 

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Deutliche Nasenrückendrüse

 

Ähnlich wie Meerschweinchen kommunizieren Capybaras mit einer Reihe von Lauten. Ein Schnurrlaut signalisiert Unterwerfung. Es gibt einen bellenden Alarmruf sowie Zufriedenheit ausdrückende Schnalzlaute, schrille Pfiffe und Grunzlaute.

Zur Begattung verfolgen die Männchen die Weibchen zunächst an Land, dann schwimmend im Wasser bis es dann im seichten Wasser zur Paarung kommt. Der Akt dauert 6 – 10 schnelle Stöße und kann in kurzer Zeit bis zu 20 Mal mit dem gleichen oder einem anderen Weibchen wiederholt werden.

Die Paarung findet ganzjährig statt. Die meisten Jungen werden aber in der Regenzeit (April bis Mai im nördlichen Südamerika und Oktober im südlichen Teil des Kontinents) geboren. Normalerweise hat das Weibchen bei einer Tragzeit von 110 Tagen bei der nördlichen Unterart und 150 Tagen bei der südlichen nur 1 x jährlich Junge. Bei günstigen klimatischen Bedingungen kann es auch mal 2 Würfe im Jahr geben. Durchschnittlich werden 4 – 5 Junge geboren, wobei die Anzahl zwischen 1 und 8 Jungen liegen kann. Die Weibchen haben 5 paarige Zitzen.

Zur Geburt werden keine Nester gebaut und kann überall im Territorium geschehen. Die Neugeborenen sind extreme Nestflüchter und wiegen schon ungefähr 1,5 – 2 kg. Sie sind komplett behaart, haben offene Augen und bleibende Zähne. Kurz nach der geburt nehmen die Jungtiere Gras auf. Mit 3 – 4 Monaten sind sie vollständig entwöhnt. Die Geschlechtsreife wird in beiden Geschlechtern mit 15 – 19 Monaten erreicht.
Capybaras werden in der Natur 7 – 10 Jahre alt. In Gefangenschaft können sie12 – 15 Jahre alt werden.

 

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Feinde der Capybaras sind Ozelot, Jaguar, Waldhund und Kaimane. Jungtiere können Harpyie und Geierfalken und auch Anakondas zum Opfer fallen.

Capybaras werden durch Carpincheros professionell gejagt. In Venezuela wird das Fleisch gegessen. In Argentinien wird Capybara-Leder zu Handschuhen, Gürteln, Lederjacken, Sätteln und Zaumzeug verarbeitet. Im südlichen Südamerika gilt das Öl aus dem subkutanen Fett als Heilmittel. In Argentinien und Uruguay werden Würste aus dem Fleisch hergestellt. In der Llanos-Region wird versucht, wegen ihrer vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten Capybaras in Farmen zu halten.
Sie werden aber auch bejagt, weil sie besonders in der Trockenzeit Konkurrenten des Weideviehs sind. Auf Plantagen können sie beträchtliche Verwüstungen anrichten.
In manchen Regionen Venezuelas sind sie durch Bejagung selten geworden. In Peru sind sie ganz verschwunden. Aber sonst sind sie häufig anzutreffen und weit verbreitet, und ist somit keine bedrohte Tierart.

Den Namen Capybara hat es aus der Indiosprache Guraní: kapiyva oder kapiygua und bedeutet „Herr der Gräser“, weil die Tiere zu den größten Grasfressern Südamerikas gehören. Der Name Wasserschwein sollte nicht benutzt werden, da er eine Verwandtschaft mit den Schweinen vortäuscht.

In Zoos werden Capybaras häufig gehalten.

 

Copyright Dr. Bernhard Lazarz 3/2010
Photos: 1 Dr. Bernhard Lazarz; 2-4 Claudia und Mario Kuster

 

Tierärztliche Praxis für Heimtiere & Kleintierpraxis | Dr. Bernhard Lazarz - Fachtierarzt für Heimtiere

Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde

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