Lazarz

Großer Mara

 

UNSER PATENTIER IM ZOO DUISBURG 2009

„PEPE“
ein GROSSER MARA oder STEPPENHASE (Dolichotis patagonum)

 

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Was anderes könnte die Kleintierpraxis Wanheimerort als Spezialist für Nager als Patentier nehmen als einen Nager!

So haben wir uns für den zweitgrößten Nager Südamerikas nach dem Capybara entschieden.

Auf den ersten Blick kommt man nicht darauf, dass der Große Mara ein Meerschweinchenverwandter ist.

 

SYSTEMATIK

UNTERORDNUNG: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
TEILORDNUNG: Meerschweinchenverwandte (Caviomorha)
FAMILIE: Meerschweinchen (Caviidae)
UNTERFAMILIE: Pampashasen (Dolichotinae)
GATTUNG: Pampashasen (Dolichotis)
ART:

Großer Pampashase (Dolichotis patagonum)

 

Die Kopfrumpflänge beträgt zwischen 60 – 80 cm. Der Schwanz ist als Stummel bis zu 5 cm ausgebildet.
Männchen wiegen ca. 8 kg, während Weibchen schwerer bis zu 16 kg werden können. Das Fell ist an der Oberfläche graubraun (Agouti), der Bauch und die hinteren Teile des Oberschenkels sind weiß. An den Oberschenkeln über der weißen Fläche befindet sich ein schwarzer Streifen.
Die Flanken, das Kinn, auch die Seiten des Kopfes sind orange- bis rostfarben. Das Fell ist dicht und kurz und sieht borstig aus.
Der Körperbau erinnert an Hasen, was an den langen Beinen und den gossen Ohren liegt. Ansonsten ähneln sie Meerschweinchen. Wie diese haben sie vorne 4 und hinten 3 Zehen. An den Vorderfüßen haben sie scharfe Krallen zum Graben, während die Hinterfüße hufartige Klauen tragen. Die Hinterbeine sind länger als die Vorderbeine, wobei wie bei allen schnelllaufenden Tieren Oberarm und Oberschenkel kürzer sind als Unterarm und Unterschenkel.
Durch die Entwicklung langer Gliedmaßen als Anpassung an das Leben in Steppe und Grasland nehmen Große Maras die ökologische Nische ein, die anderorts Huftiere besetzen.

An einem kurzen schmalen Kopf fallen die bis zu 10 cm langen Ohren auf, was an einen guten Gehörsinn gekoppelt ist. Seitlich am Kopf sind große Augen angebracht. Auffallend die kurze Nase und gut ausgebildete Tasthaare (=Vibrissen) an der Schnauze. Die Zahnformel lautet: 1-0-1-3 in jeder Kieferhälfte und im Ober- oder Unterkiefer, d. h. 1 Schneidezahn, kein Eckzahn, 1 Prämolar, 3 Molaren: 4 x 5 Zähne = 20 Zähne. Alle Zähne sind wie bei Meerschweinchen wurzellos und dauernd wachsend.

Der Verdauungstrakt ist ähnlich wie beim Meerschweinchen. Ein einfacher Magen wird bei der Verdauung durch Enddarmfermentierung unterstützt. Sie können mit dem Blinddarm im Zusammenspiel mit symbiotischen Bakterien Zellulose aufschließen.
Das Colon hat modifiziert komplexe Falten, die mit der Caecotrophe, dem nochmaligen Aufnehmen des Kotes zur besseren Verwertung einhergehen.

Im Gegensatz zu den Meerschweinchen, bei denen die Analdrüsen vor dem Anus liegen, liegt die Analdrüse bei den Pampashasen zwischen Anus und Schwanzwurzel.

Große Maras sind in Argentinien endemisch zwischen den 28. und 50. Breitengrad. Überwiegend bewohnen sie Pampas (Grassteppen), bevorzugen aber Gebiete mit Büschen und Bäumen als Sichtschutz und Deckung.

Der Große Mara ist tagaktiv, liebt das Sonnenbad und frißt etwa die Hälfte des Tages. Zur Nachtruhe schläft er in dichter Vegetation oder in Bauten von Viscachas (= Hasenmäuse – Familie Chinchillas).

 

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In der Bewegung zeigen Maras langsames Gehen, hasenartiges Hoppeln und Hüpfen mit allen vier Beinen. Locker erreichen Sie Geschwindigkeiten von 45 km/h.

In der Ruheposition können sie mit ausgestreckten Vorderbeinen auf dem Gesäß sitzen oder mit unter der Brust verschränkten Vorderbeinen liegen. Das ist normalerweise nicht nagertypisch.

Maras leben vorzugsweise monogam, selten auch in kleinen Haremsfamilien. Nur nach dem Tod des Partners wählen die Tiere einen neuen Partner, was an der extrem kurzen Empfängnisbereitschaft des Weibchens zu liegen scheint.
Die Paarbindung wird in erster Linie vom Bock aufrechterhalten. Er folgt dem Weibchen auf Schritt und Tritt und parfümiert sein Weibchen mit Urin, Analdrüsensekret und Kot, um Nebenbuhler abzuhalten.
Weibchen besprühen als Abwehrverhalten dem Männchen Urin ins Gesicht, um dem Männchen zu signalisieren, dass es nicht empfangsbereit ist.
Während der Trage- und Säugezeit fressen die Weibchen mehr als die Böcke. Die bewachen während dieser Zeit das Weibchen, um Fressfeinden und Rivalen fernzuhalten.

Bis zu 80 Tiere umfassen mehrere Paare in losen Verbänden. Die Männchen dieser Verbände errichten eine Rangordnung, durch Anurinieren, Präsentieren der Analregion, Verfolgungsjagden und Bisse des Rivalen.

Paare bewohnen ca. 10 Hektar große Reviere, deren Grenzen sich durch immerwährende Wanderschaft ständig verschieben.

Maras benutzen Quietschlaute zur Kontaktaufnahme.
Wenn sie sich bedroht fühlen, vokalisieren sie mit Grunzlauten.
Zur Kommunikation dient Haarsträuben und Zähneklappern.

Feinde des Großen Maras sind Wildkatzen, Pumas und Füchse. Für die Jungtiere geht auch Gefahr von Uhus und Bussarden aus.

Die Nahrung besteht aus Gräsern, Kräutern und Mesquite-Sträuchern. Wie viele andere Nager und Kaninchen benutzen sie Caecotrophie (= Wiederfressen des Kotes, hier werden Mineralien und Vit. B aufgenommen), um dank spezieller Bakterien schwer verdauliche zellulosereiche Nahrung besser im Blinddarm zu zersetzen.

Pampashasen verwerten ihre Nahrung optimal, brauchen weniger Futter pro kg Körpergewicht als Schafe oder Rinder.

Pampashasen sind nur alle 3 – 4 Monate für eine halbe Stunde empfängnisbereit, was evolutions-technisch zur Monogamie führte.

Saisonale Paarung führt nach durchschnittlich 100 Tagen Tragezeit zu einem jährlichen Wurf (im Zoo auch 3 – 4 Würfe) in den Monaten September und Oktober. Normalerweise werden 2 Junge (1 – 3) als Nestflüchter vollständig entwickelt geboren.

Die Jungen wiegen zwischen 450 und 750 g. Bis zu 30 Paare betreuen Jungtiere in einem Lager mit ausnahmsweise selbstgegrabenen Bauten. Einmal tgl. säugt die Mutter ihre Jungen und verbringt ca. 1 Stunde im Bau. Derweil bewachen andere Maras das Lager. Während der Zeit des Lagerlebens entfernt sich das Elternpaar kaum weiter als 2,5 km. Es findet keine Zusammenarbeit der Mütter im Lager statt. Jedes Weibchen säugt nur die eigenen Jungen, die es an Stimme und Geruch erkennt. Hin und wieder saugen Jungtiere bei fremden Weibchen, was eine Waisenaufzucht ermöglicht.

Die Jungtiersterblichkeit ist wegen Fressfeinden, Krankheiten und Unterkühlung vergleichsweise hoch. Je größer das Jungtierlager, um so größer die Überlebenschance der Säuglinge.
Die ersten 3 Lebenswochen sind geprägt von ausgiebigem Körperkontakt. Die Jungen kuscheln sich aneinander und spielen. Von der 4. bis 13. Lebenswoche folgen die Jungen ihren Eltern bei der Nahrungssuche, werden aber immer noch gesäugt. Die Entwöhnung geschieht ungefähr mit für nagetier-ungewöhnlich langen 2,5 Monaten.
Die Geschlechtsreife tritt bei Weibchen mit rund 8 Monaten und bei Männchen mit ca. 1 Jahr ein.
Die Lebenserwartung liegt in der Natur unter 10 Jahren, in Gefangenschaft bis zu 15 Jahren.

Große Maras sind nicht bedroht, obwohl sie in einigen Provinzen Argentiniens ausgestorben sind. Eingeschleppte, nicht heimische Hasen, Umwandlung von natürlichem Lebensraum in Viehweiden, Bejagung, des Fleisches und des Felles wegen haben teilweise zu einer Reduzierung der Bestände geführt.

In Zoos sind sie häufig zu sehen, und vermehren sich leicht und häufig.

 

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Copyright Dr. Bernhard Lazarz 11/2008
Photos: 1 – 2 ZOO Duisburg, 3 – 5, 9 – 10 Wikipedia, 6 – 8 Dr. Bernhard Lazarz

 

Tierärztliche Praxis für Heimtiere & Kleintierpraxis | Dr. Bernhard Lazarz - Fachtierarzt für Heimtiere

Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde

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