Lazarz

Mähnenstachelschwein

 

UNSER PATENTIER IM ZOO DUISBURG 2011

 

„ALI“
ein MÄHNENSTACHELSCHWEIN (Hystrix subsp.)

 

 

Für das Jahr 2011 hat sich die Kleintierpraxis Wanheimerort für den größten Nager Afrikas, ein Mähnenstachelschwein als Patentier entschieden.

Auch dieser Nager ist ein Verwandter unseres Meerschweinchens.

 

SYSTEMATIK

ORDNUNG: Nagetiere (Rodentia)
UNTERORDNUNG: Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha)
TEILORDNUNG: Stachelschweinverwandte (Hystricomorpha)
FAMILIE: Altweltliche Stachelschweine (Hystricidae)
GATTUNG: Erdstachelschweine (Hystrix)
UNTERGATTUNG: Eigentliche oder Mähnen-Stachelschweine (Hystrix)
ART: Indisches oder Weißschwanz-Stachelschwein (H. indica)

 

Die Kopfrumpflänge eines Mähnenstachelschweins beträgt zwischen 50 und 90 cm. Die Schulterhöhe misst nur ca. 25 cm wegen der kurzen Beine und des Auftretens mit der ganzen Sohle. Mit aufgerichteten Stacheln und gesträubter Nackenmähne erscheinen die Tiere fast doppelt so groß.

Die Tiere können erwachsen zwischen 15 und 25 kg wiegen. Weibchen sind durchschnittlich etwas kleiner und leichter als Männchen.

Namengebend ist das stammesgeschichtlich aus Haaren durch Verhornung entstandene auffällige Stachelkleid. Während sich am Kopf, Hals und in der Schultergegend eine Mähne aus bis zu 60 cm langen Haarborsten befindet, besteht vor allem die hintere obere Körperhälfte aus bis zu 30 cm langen starren Spießen, die von dünnen, elastischen schwarz-weiß-geringelten, 50 cm langen Borstenstacheln überragt werden. Am 10 – 15 cm langen Schwanz befindet sich am Ende der sogenannte „Rasselbecher“, der aus einem Kranz von hohlen, kapselartigen Stacheln besteht und bei Erregung geschüttelt wird und ein rasselähnliches Geräusch erzeugt.

 

 

Die Füße haben vorne wie hinten 5 Zehen . Die Fußsohlen sind sehr weich und elastisch.

Der Kopf des Mähnenstachelschweins setzt sich kaum vom Körper ab und endet an der Schnauze stumpf. Seitlich am Kopf befinden sich relativ kleine Augen, während die rundlichen Ohren deutlich hinter den Augen sitzen.

Mähnenstachelschweine sehen schlecht und orientieren sich durch den Geruchssinn. Generell ist die Gestalt der Mähnenstachelschweine recht plump und ähnelt ohne Stacheln einem riesigen Meerschweinchen.

Die Zahnformel 1-0-1-3 in jeder Kieferhälfte, sowohl im Ober- als auch im Unterkiefer, das heißt, 1 Schneidezahn – 0 Eckzahn – 1 Prämolar – 3 Molaren = 4 x 5 = 20 Zähne weißt das Gewöhnliche Stachelschwein als Nagetier aus.

Alle Zähne sind wie beim Meerschweinchen wurzellos und ständig wachsend.

 

 

Mähnenstachelschweine ernähren sich von Wurzeln, Knollen, Früchten und saftiger Rinde. Hin und wieder werden auch Frösche, Insekten und andere Kleintiere gefressen. Manchmal wird auch Aas verspeist oder an Knochen genagt.

Zur Untergattung Mähnenstachelschweine (Hystrix) gehören 3 Arten:

Das Gewöhnliche oder Euafrikanische Stachelschwein Hystrix cristata
Das Indische oder Weißschwanz-Stachelschwein Hystrix indica
Das Südafrikanische Stachelschwein Hystrix africaeaustralis

Das Gewöhnliche oder Euafrikanische Stachelschwein (Hysterix cristata) bewohnt lichte, trockene Wälder, Steppen oder Kulturlandschaften in Nordafrika von Marokko bis Ägypten, südlich der Sahara vom Senegal bis Äthiopien und Tansania. In Europa ist es in Italien südlich der Po-Ebene und Sizilien heimisch. Die Nackenmähne ist weiß und das Schwanzfeld = Bürste dunkel oder gesprenkelt erscheint. Die ostafrikanische und äthiopische Population wird auch als eigene Art oder Unterart abgetrennt Hysterix cristata galeata. Da die Rückenstacheln bei dieser Unterart nur 3 – 4 helle Ringe besitzen, haben diese Tiere eine besonders dunkle Erscheinung. Bei Hystrix cristata cristata dagegen wirken die Rückenstacheln mit 5 bis 8 weißen Ringen sehr hell.

Das in unseren Zoos am häufigsten gehaltene Indische oder Weißschwanz-Stachelschwein (Hystrix indica), oft auch synonym Hystrix leucura und die Population aus dem Kaukasus Hystrix indica hirsutirostris, ist von Kleinasien über den Vorderen Orient bis Indien und Sri Lanka und nördlich bis Kasachstan verbreitet. Bei Hystrix indica ist die ausgeprägte Nackenmähne dunkelbraun und die Bürste deutlich weiß.

 

 

Das Südafrikanische Stachelschwein (Hystrix africaeaustralis) kommt von der Mündung des Kongo bis Ruanda, Kenia, West- und Süd-Tansania, Mosambik und Südafrika vor. In Ostafrika kommt es neben dem Gewöhnlichen Stachelschwein (Hystrix cristata) vor. Diese Art wird derzeit nur im Zoo Berlin gehalten. Die Mähne und die Färbung der Bürste sind weiß.

Der Lebensraum von Mähnenstachelschweinen ist sehr vielfältig. Sie leben in lichten, trockenen Wäldern, Steppen und Kulturlandschaften, wobei ihnen hügelige, felsenreiche trockene Landschaften besonders behagen. Generell sind sie sehr anpassungsfähig. Sie sind Bodenbewohner, können aber auch etwas springen und gut schwimmen.

Mähnenstachelschweine sind überwiegend dämmerungsaktiv. Tagsüber schlafen sie in einem selbstgegrabenen Bau, wobei man schon 20 m lange und 2 m tiefe Höhlensysteme vorgefunden hat.

Die Tiere verhalten sie sich bei der Futtersuche und beim Fressen recht laut. Nage-, Kau-, Schmatz- und Grunzgeräusche sind kaum überhörbar. Gerade so als wollten sie potentiellen Feinden signalisieren, wen sie vor sich haben. Feinden gegenüber verhält sich das Mähnenstachelschwein aktiv, indem es zunächst eine Drohstellung einnimmt. Hierbei sträuben sich Mähne und Stacheln mit einem schwirrenden Geräusch und der Umfang des Tieres verdoppelt sich schlagartig. Durch die schwarz-weißen Stacheln bietet das Tier einen abschreckenden Anblick bei Dämmerlicht oder fahlem Mondschein. Ist der Feind wider Erwarten nicht beeindruckt, so stapft das Stachelschwein kräftig mit den Hinterfüssen, knirscht mit den Zähnen, knurrt und rasselt laut mit den hohlen Stacheln am Schwanzende. Hält die Bedrohung weiter an, wendet das Stachelschwein dem Gegner plötzlich und blitzschnell das Hinterteil zu und läuft mit erstaunlicher Geschwindigkeit seitlich auf den Feind zu. Die spitzen Stacheln können bis weit in den Körper ein, brechen hier ab und führen zu Entzündungen. Da sich die Verletzungen meist im Bereich des Gesichts oder Vorderbeine des Gegners befinden, kommt es häufig zu erheblichen Beeinträchtigungen des Feindes. Allerdings haben die Stachelschweine außer dem Menschen kaum Fressfeinde. Einzelne Leoparden sollen gelernt haben, Stachelschweine umzuwerfen und von der ungeschützten, verletzlichen Unterseite her zu überwältigen.

 

 

Mähnenstachelschweine sind monogam und lebenslang treu. Sie bauen gemeinsam an ihren Bauten. Eine Familiengruppe kann aus einem Elternpaar mit den Jungen von bis zu 2 Würfen bestehen. Stachelschweine sind gesellig, wenig territorial, beanspruchen jedoch ein Revier von einigen Hundert Hektar bis zu mehreren Quadratkilometern, in welchem durchaus Artgenossen geduldet werden. Das Revier wird durch Duftdrüsen am Rande der Trampelpfade markiert.

Mähnenstachelschweinweibchen sind das ganze Jahr über fortpflanzungsfähig, wobei der Östrus 28 bis 36 Tage dauert. Nur während dieser Zeit wird die Verschlussmembran der Scheide für das männliche Geschlechtsorgan passierbar. Sie werfen aber nur einmal im Jahr. Die Weibchen fordern das Männchen aktiv zur Paarung auf, indem sie sich mit nach vorn gerichteten Stacheln und aufgerichtetem Schwanz rückwärts dem Partner nähern. Die Männchen besteigen die Weibchen von hinten und platzieren Ihre Vorderpfoten beim Paarungsakt auf dem Rücken der Weibchen.

 

 

Die Tragzeit beträgt bei Mähnenstachelschweinen 90 bis 112 Tage. In der Regel werden 1 bis 2 weit entwickelte, seh- und lauffähige Junge (als Ausnahme bis zu 4 Junge) = Nestflüchter geboren. Die Nagezähne sind vollständig durchgebrochen. Der ganze Körper ist kurz behaart und Stacheln sind als 5 mm lange, weiche Stummel vorhanden. Die Jungtiere wiegen bei der Geburt zwischen 400 und 550g. Mit 2 Wochen nehmen sie feste Nahrung auf. Sie werden aber ca. 2 Monate an hoch an der Seite gelegenen Zitzen gesäugt. Mindestens bis zum Alter von 8 Monaten bleiben sie bei den Eltern und werden von diesen auch energisch geschützt. Mit 2 Jahren erreichen sie die Geschlechtsreife, und verlassen spätestens dann die Eltern.

 

 

Mähnenstachelschweine werden in freier Wildbahn bis zu 15 Jahre, in Zoos bis zu 30 Jahre alt.

Allein der Mensch wird den Mähnenstachelschweinen gefährlich.
Die Tiere werden zum Verzehr gejagt (Buschfleisch).
Als Schutz von Plantagen werden sie gejagt (Schädling).
Ferner müssen sie ihr Leben für den Gewinn der Stachelnlassen. Diese sind in Afrika von alters her als Schmuck, Talisman und Heilmittel begehrt.
Dabei werden sie mit Rauch aus den Bauen getrieben und mit Speer oder Gewehr getötet.
Manchmal werden sie speziellen Fallen, Schlingen und Netzen gefangen. Manche werden mit ausgelegten Ködern vergiftet.

Da die Mähnenstachelschweine hinsichtlich ihrer Lebensraumansprüche sehr flexibel sind, sind ihre Bestände derzeit nicht bedroht und stehen mit ihren Arten nicht auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

In Zoos werden Mähnenstachelschweine häufig gehalten. Im Duisburger Zoo ist das die Unterart INDISCHES oder WEISSSCHWANZ-STACHELSCHWEIN (Hystrix indica)

Copyright Dr. Bernhard Lazarz 1/2011
Photos: 2 Dr. Bernhard Lazarz; 1, 3-7 Claudia und Mario Kuster

Tierärztliche Praxis für Heimtiere & Kleintierpraxis | Dr. Bernhard Lazarz - Fachtierarzt für Heimtiere

Zusatzbezeichnung Zahnheilkunde

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